Was ist eine Anzahlung beim Handwerker?
Eine Anzahlung ist eine Vorauszahlung, die du vor Beginn der Arbeiten leistest. Sie sichert dem Handwerker, dass du es ernst meinst, und deckt seine Materialkosten vor. Das ist legitim. Die Frage ist: wie viel?
Was gilt als üblich?
In der Baubranche hat sich folgendes Modell etabliert:
- 30 % bei Auftragserteilung (Materialvorfinanzierung)
- 40 % nach Beginn der Arbeiten (wenn Rohbau oder Hauptleistung erkennbar ist)
- 30 % nach Abnahme (wenn du die Arbeit geprüft hast)
Dieses Drittel-Modell schützt beide Seiten. Der Handwerker bekommt Geld in jeder Phase. Du behältst Druckmittel bis zur fertigen Leistung.
Was sagt das Gesetz?
Das BGB enthält keine feste Obergrenze für Anzahlungen. Aber: Bei Verbraucherverträgen kann eine unangemessen hohe Anzahlung als überraschende oder benachteiligende Klausel unwirksam sein, wenn sie in AGB versteckt ist. Im Einzelfall müsste ein Gericht entscheiden.
Praktisch bedeutet das: Du kannst eine zu hohe Anzahlung ablehnen und eine niedrigere anbieten. Ein seriöser Handwerker wird nicht abspringen.
Das konkrete Risiko bei hohen Anzahlungen
Wenn ein Betrieb während der Arbeiten insolvent geht, verlierst du die geleistete Anzahlung in der Regel vollständig. Du wirst Insolvenzgläubiger, bekommst also nur einen Bruchteil zurück, wenn überhaupt.
Rechenbeispiel: Auftragssumme 27.000 Euro, Anzahlung 60 % = 16.200 Euro Risiko. Bei 30 % Anzahlung wären es nur 8.100 Euro.
Jedes Jahr gehen in Deutschland mehrere tausend Handwerksbetriebe in die Insolvenz. Das ist kein Extremszenario.
Wann ist eine hohe Anzahlung gerechtfertigt?
Es gibt Ausnahmen. Bei sehr materialintensiven Aufträgen wie einer maßgefertigten Einbauküche, Sonderanfertigungen oder Importware kann eine höhere Vorauszahlung sachlich begründet sein. Der Handwerker sollte das aber erklären können, und die Anzahlung sollte direkt mit dem Materialwert zusammenhängen.
Frag konkret: "Für welche Materialien benötigen Sie die Anzahlung?" Wenn die Antwort vage bleibt, ist Vorsicht angebracht.
Was tun, wenn die Anzahlung zu hoch ist?
1. Schreib dem Handwerker: "Ich schlage vor, wir teilen die Zahlung in drei gleiche Teile auf: bei Auftragserteilung, nach Beginn der Hauptarbeiten und nach Abnahme." 2. Die meisten seriösen Betriebe akzeptieren das. 3. Wenn der Handwerker darauf besteht und keine Begründung liefert, ist das ein Qualitätssignal.
Anzahlung und Skonto
Manchmal wird eine hohe Anzahlung mit Skontoversprechen kombiniert: "3 % Skonto bei Anzahlung von 50 %." Rechne das durch. Bei 10.000 Euro Auftragssumme sind 3 % Skonto = 300 Euro. Dafür gehst du ein Risiko von 5.000 Euro ein (der Unterschied zwischen 50 % und 30 % Anzahlung). Das ist kein guter Tausch.
Fazit
Bis 30 % Anzahlung ist normal. Bei 40 % solltest du nachfragen. Ab 50 % solltest du ablehnen oder zumindest das Risiko bewusst abwägen. Lass dir immer erklären, wofür die Anzahlung verwendet wird.